Interview mit einer Zukunftsgestalterin

Beate Rettkowski-Frische arbeitet bei Seppeler Holding und Verwaltungs GmbH & Co. KG und ist Zukunftsgestalterin für nachhaltige Ausbildung. Sie ist eine der Absolvent*innen des gleichnamigen IHK-Zertifikatslehrgangs. Die Weiterbildung macht betriebliche Ausbilder*innen, Mitarbeiter*innen aus der Personalabteilung und ausbildende Fachkräfte zu Wegbereiter*innen einer nachhaltigen Ausbildung. Im Interview erzählt Beate Rettkowski-Frische von ihren Erfahrungen.

Wer sind Sie und was ist Ihre Aufgabe im Unternehmen?

Ich bin im Unternehmen für die Personalentwicklung zuständig und arbeite dabei eng an der Schnittstelle zur Ausbildung. Mein Aufgabenbereich umfasst unter anderem die Weiterentwicklung von Ausbildungsprozessen sowie die Begleitung von Auszubildenden und ausbildenden Fachkräften.

Was hat Sie motiviert, am Lehrgang teilzunehmen?

Ich wurde über die IHK auf den neu entwickelten Lehrgang aufmerksam. Da ich im Unternehmen eine der wenigen Personen bin, die sich intensiv mit Ausbildung beschäftigen, war mir der Blick von außen besonders wichtig. Der Lehrgang bot für mich die Chance, neue Perspektiven kennenzulernen und mich fachlich fundiert mit dem Thema nachhaltige Ausbildung auseinanderzusetzen.

Was war Ihr größtes Aha-Erlebnis im Lehrgang?

Ein zentrales Aha-Erlebnis war die Beschäftigung mit den 17 Zielen für nachhaltige Entwicklung bzw. Sustainable Development Goals (SDGs). Mir wurde deutlich, wie umfassend und zugleich praxisrelevant das Thema Nachhaltigkeit ist. Besonders angesprochen hat mich die Erkenntnis, dass wir in der Ausbildung eine wichtige Gestaltungs- und Multiplikator*innenrolle haben. Gerade Auszubildende bringen Offenheit mit und lassen sich gut für nachhaltige Themen sensibilisieren, da sie noch nicht so stark in bestehenden Denkmustern verhaftet sind. Das Thema Nachhaltigkeit wird sie über ihr gesamtes Berufsleben hinweg begleiten – unabhängig davon, ob sie später Fachkräfte, Ausbilder*innen oder Entscheidungsträger*innen sind.

Was konnten Sie aus dem Lehrgang konkret für Ihre Arbeit mitnehmen?

Der Lehrgang hat mir geholfen, Nachhaltigkeit systematischer einzuordnen und Handlungsmöglichkeiten in der Ausbildung bewusster wahrzunehmen. Gleichzeitig wurde mir klar, dass die Umsetzung im betrieblichen Alltag Zeit, Geduld und Unterstützung braucht.

Können Sie ein Beispiel nennen, wie Sie Nachhaltigkeit in den Ausbildungsalltag integrieren wollen?

Ein konkretes Beispiel war ein Projekt zum Thema Drucker- und Kopierpapier. Einer unserer Auszubildenden zum Industriekaufmann hat sich mit dem Thema intensiv beschäftigt, wobei er durch meine Person durchgehend begleitet wurde. Er hat sich sowohl mit Nachhaltigkeitszielen befasst als auch mit fachlichen Themen wie dem Einholen von Angeboten oder der Vorbereitung einer Präsentation als Entscheidungsgrundlage. So wurde er gleichzeitig auch in prüfungsrelevanten Inhalten geschult.

Wie haben Auszubildende und Kolleg*innen auf Ihre Impulse reagiert?

Auszubildende und Kolleg*innen haben sehr offen und interessiert reagiert. Teilweise gab es Vorbehalte, gerade wenn es um die eigene Komfortzone ging. Grundsätzlich ist aber jedem das Thema Nachhaltigkeit bewusst und dessen Bedeutung für die Zukunft.

Was war für Sie besonders herausfordernd?

Das Thema Nachhaltigkeit betrifft alle Mitarbeiter*innen im Unternehmen sowohl privat als auch beruflich, so dass jeder seine eigenen Meinungen, Bedenken und Ideen einbringt. Und dies gilt es auf eine gemeinsame Ebene zu bringen, was teilweise herausfordernd war. Nachhaltigkeit ist ein absolut komplexes Thema, und leider gibt es meist keine einfachen Lösungen. Die Aufforderung, bestehende Denk- und Handlungsmuster zu hinterfragen, ist daher immer der erste Schritt – und dafür braucht es Durchhaltevermögen.

Was möchten Sie künftig weiterentwickeln?

Ich bin weiterhin auf der Suche nach einem praxisnahen Projekt, das sich umsetzen lässt und Wirkung entfaltet. Besonders großes Potenzial sehe ich in Auszubildenden-Projekten, die konkrete Erfahrungen ermöglichen. Nachhaltige Entwicklung braucht Mut, Lernräume und die Bereitschaft, auch kleine Schritte wertzuschätzen.

Was würden Sie anderen empfehlen, die sich für nachhaltige Ausbildung engagieren möchten?

Ich empfehle den Lehrgang uneingeschränkt weiter. In der Standardberufsbildposition „Umweltschutz und Nachhaltigkeit“ wird oft Wissen vorausgesetzt, das in der Praxis nicht selbstverständlich vorhanden ist. Der Lehrgang schließt diese Lücke und bietet Orientierung. Mein Rat: niedrigschwellig starten, gemeinsam mit Auszubildenden ein überschaubares Projekt angehen und erste Erfahrungen sammeln. Nachhaltige Ausbildung ist ein Lernprozess – und jeder Schritt zählt.

Interesse an der Teilnahme am Zertifikatslehrgang „Zukunftsgestalter/-in für nachhaltige Ausbildung (IHK)“?

Der Lehrgang wird derzeit bei der IHK Akademie Ostwestfalen angeboten. Der nächste Kurs findet zwischen dem 10. März und 01. April 2026 in Bielefeld statt. Eine Anmeldung ist noch möglich.

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